Aus der Geschichte lernen

Aus der Geschichte lernen

Sprockhövel, 21.11.2007, Von Linda Aschendorf

Heldentum und christliche Botschaften sollten durch Schwerterdenkmal kompatibel sein. Bei der Einweihung 1935 wurden Nationalsozialismus und Christentum in Einklang gebracht

Symbol der Kriegsverherrlichung oder wertvolles zeitgeschichtliches Relikt? Die fünf großen Kupferschwerter an der Westfassade der evangelischen Kirche Haßlinghausen gaben schon häufig Anlass zu Befremdung und Irritation. Stehen die "Tötungswerkzeuge" nicht in einem unvereinbarenden Gegensatz mit einem Gebäude, das für Frieden und Liebe steht?

Diesen Fragen nahm sich eine offene Diskussionsgruppe im Martin-Luther Haus an. Karin Hochkamp, Leiterin des Stadtarchivs, präsentierte die Geschichte des Kriegerdenkmals und machte deutlich, wie dabei Kirche und Politik zusammen wirkten. Im Jahre 1925 beschloss die Denkmalkommission Haßlinghausen, dass ein Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges errichtet werden sollte.

Mitglieder dieser Kommission waren auch die beiden Kriegervereine "Kriegerkameradschaft Haßlinghausen", mit dem Vorsitzenden Emil Schievenbusch und die Kriegerkameradschaft Westwacht, mit dem Vorsitzenden Adolf Hochstrate. Nach zahlreichen Entwürfen diverser Künstler, die aus künstlerischen oder planerischen Gründen abgelehnt wurden, entschieden sich Denkmalkommission und Presbyterium 1929 für den Entwurf von Hermann Hosaeus. Hosaeus war ein renommierter, auf Kriegerdenkmäler spezialisierter Berliner Künstler.

Seine ursprüngliche Idee, die Schwerter aus Stein zu fertigen scheiterte aus Kostengründen. 10 000 Mark sollten sie kosten. Da aber nur 7000 Mark zur Verfügung standen, ersetzte er Stein durch Kupfer. Das Denkmal erinnerte an einen gotischen Flügelaltar, mit den Schwertern als Mittelpunkt.

Gewalt und Heldentum sollten mit den christlichen Botschaften kompatibel gezeigt werden. Am 22. September 1935 fand die eindrucksvolle Einweihungsfeier des Denkmals statt. Organisationen wie die NSDAP und die Gewehrgruppe des Kriegervereins nahmen daran Teil. In einer Festansprache im Gottesdienst wurden Nationalsozialismus und Christentum in Einklang gebracht.

Seitdem war das Denkmal am Westflügel immer wieder Stein des Anstoßes. Auf dem Höhepunkt der Friedensbewegung 1983, wurde es von Friedensaktivisten mit Tüchern verhüllt. 1988 wurde ein Gedenkstein für die Opfer der Reichspogromnacht enthüllt. Er trägt die Inschrift "Christus ist unser Friede" und bildet damit einen Kontrapunkt zum Kriegerdenkmal.

Einen Vorschlag dazu, wie in Zukunft eine Auseinandersetzung mit dem Denkmal aussehen könnte, machte Dr. Ulrike Schrader von der alten Synagoge in Wuppertal. Sie verwies auf ein Kriegerdenkmal in Speyer, an dem eine Kommentierungstafel angebracht wurde, die die gegenwärtige Distanzierung deutlich macht und außerdem auf andere Gedenkstätten verweist. Die Denkmäler werden auf diese Weise zu einem "Gedenkstättenpark" verknüpft, der historisches und politisches Lernen möglich macht. So etwas sei auch in Haßlinghausen möglich. Bereits seit 1999 werden die Schwerter bei Stadtrundfahrten zum Nationalsozialismus gezeigt. Diese Art des Umgangs mit dem Kriegerdenkmal stieß beim Großteil der Diskussionsteilnehmer auf Zustimmung. Man war sich einig, dass "Bilderstürmerei" keine Lösung sein kann. Genauso wenig wie die Entfernung des Denkmals. Das Kriegerdenkmal sei heutzutage vielmehr ein wichtiger "Stolperstein, als ein Symbol der Kriegsverherrlichung". Trotzdem sei eine aktive Auseinandersetzung notwendig.

Quelle: DerWesten.de