Hilfe für Mädchen in Nepal

Sponsorenlauf

Hilfe für Mädchen in Nepal

Sprockhövel, 30.06.2009, Svenja Hanusch
 
Wilhelm-Kraft-Gesamtschule veranstaltet "Anti-Rassismus-Tag".
 

Ihre Köpfe sind knallrot, Schweißperlen rinnen die Stirnen herunter. Die Schüler der 8. Klassen japsen nach Luft: rennen bei schwülen Temperaturen Runde für Runde um den Sportplatz. Für den guten Zweck: Sie sammeln Spenden für die „Initiative Hoffnung”. Eine von vielen Aktionen am Anti-Rassismus-Tag der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule.

Die Idee zum Spendenmarathon kam Anja Ferber (15). „Ich hatte über unser Zeus-Projekt die Extremsportlerin Sunny kennen gelernt.” Sunny, mit bürgerlichem Namen Silke Seecamp, engagiert sich seit vier Jahren über den Sport für Projekte der Organisation „Maiti Nepal”. Die setzt sich gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution in Nepal ein. Die 42-Jährige war von der Idee des Spendenmarathons begeistert. Sie erläuterte den Jugendlichen zuvor ihr Projekt.

„Das erlaufene Geld geht an ein Hospiz in Kathmandu, das aidsinfizierte Mädchen medikamentös unterstützt”, erklärt Sunny. In Nepal sei es leider Normalität, dass junge Frauen aus ihren Familien gerissen oder aus Armut verkauft würden. Verschleppt werden nach Indien. „Dort müssen sie anschaffen gehen.” Nicht selten infizierten sie sich dabei mit HIV.

Sunny feuert die prustenden Schüler an. „Komm, das schaffst du”, ruft sie. Joggt mit. Schließlich zahlen Eltern, Nachbarn und Freunde der Jugendlichen zwischen 30 und 50 Cent pro Runde. Arthur (15) und Jonas (14) geben Vollgas. Neun Runden, Rekord! Andere plagen Seitenstiche, sie laufen gemütlich hinterher. Frei nach dem Motto: „Sport ist Mord.” Guter Zweck hin oder her.

Jaques (14) und Pierre (14) ist der Lauf wichtig. Auch das Thema Rassismus. „Haben wir schon erlebt, in unserer Klasse wird ein Mitschüler manchmal als Neger bezeichnet”, erzählen die Jungs. „Nur so, aus Spaß”. Dann gebe es Ärger, Streit. Eigentlich müsste ein Lehrer eingeschaltet werden, dann aber gelte man als „Petze”. Rassismus, ein schwieriges Thema. Die Schüler packen es an. „Wir richten den Anti-Rassismus-Tag bereits zum dritten Mal aus”, erzählt Heike Hochreuther (48), Lehrerin der Schülervertretung. „Die Aktion wurde vor etwa zehn Jahren von der Bundesregierung ins Leben gerufen.”

Auch Arnoush hat Erfahrungen zum Thema Rassismus gesammelt. Nicht an der Schule, nicht mal in Deutschland. „Meine Eltern kommen aus dem Iran, dort machen wir oft Urlaub”, sagt der 14-Jährige. Wegen seiner „tief hängenden Hose” sei er diskreminiert, wegen blond gefärbter Strähnchen als „schwul” bezeichnet worden. Zu „westlich” war sein Aussehen.

Dabei sei es doch so einfach: „Jeder Mensch ist doch gleich. Das ist wie bei Tieren – es gibt Bulldoggen, Schäferhunde und Dackel, alles sind Hunde.” Laura (15) stimmt zu: „Ausländer sind genauso Menschen, wie alle anderen. Nicht ekelig oder so. Sie sind so wie ich.”

 

Quelle: DerWesten.de