Leben und Arbeit in Haßlinghausen

1908 übersiedelte Wilhelm Kraft nach Haßlinghausen, das damals noch eine selbstständige Gemeinde war. (Erst 1970 wurde Haßlinghausen im Zuge einer Gemeindereform ein Stadtteil von Sprockhövel.)

Der erste Sohn Wilhelm wurde 1908 bereits in Haßlinghausen geboren, wo Wilhelm Kraft als Glashüttenarbeiter Beschäftigung gefunden hatte. Die Familie wohnte zunächst in einer der Glashüttenarbeiterwohnungen an der heutigen Mittelstraße, bevor sie ein eigenes Haus in der Oberschwenke bezog. Die Haßlinghauser Glashütte gehörte mit über 100 Mitarbeitern zu den Großbetrieben im Kreis Schwelm und war nach Schließung der Zeche Deutschland 1925 jahrzehntelang der größte Betrieb im Amt Haßlinghausen.

Wilhelm Kraft um 1930 mit Verkäuferinnen im Konsum Haßlinghausen

Den Aufzeichnungen der Kraft-Tochter Grete Roland zufolge wurde Wilhelm Kraft als aktiver Gewerkschafter nach einem Streik auf der Glashütte entlassen. Der Vater von mittlerweile drei Kindern fand - der Zeitpunkt ist nicht mehr exakt zu ermitteln - spätestens zu Beginn der 20-er Jahre eine Anstellung als Filialleiter der Konsum-Genossenschaft „Vorwärts" in Haßlinghausen. Konsum-Vereine, von Arbeitern gegründete Genossenschaften, ermöglichen ihren Mitgliedern die preiswerte Beschaffung von Lebensmitteln, da sie keinen Gewinn erwirtschafteten bzw. diesen zum Jahresende wieder an die Mitglieder ausschütteten. Die Verkaufsstelle Nr. 29 befand sich am Wechtenbruch und beherbergt heute eine Getränkeladen.

Verkäuferinnen 1926 vor dem Konsum Haßlinghausen (Wilhelm Kraft schaut aus dem Fenster des Konsum)