Sprachförderung Deutsch als Zweitsprache (DaZ)

1. Grundsätzliches

An unserer Schule werden in jedem Jahrgang ca. 30 Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund unterrichtet. Diese Schülerinnen und Schüler sind zu einem großen Teil zwar in Deutschland geboren oder leben zumindest seit dem Kleinkindalter hier, sie erlernen die deutsche Sprache jedoch als Zweitsprache, da in der überwiegenden Anzahl der Familien zu Hause die Muttersprache gesprochen wird. Dieses hat zur Folge, dass sie im (deutsch-)sprachlichen Bereich erhebliche Schwierigkeiten haben: geringer Wortschatz, fehlende Lesekompetenz, Schwierigkeiten im mündlichen und schriftlichen Bereich den grammatischen Regeln entsprechend zu formulieren etc.

Das Erlernen des Deutschen als Zweitsprache ist dadurch gekennzeichnet, dass Lernprozesse nicht nur gesteuert in unterrichtlichen Situationen, sondern in vielerlei Bezügen außerhalb von Unterricht und damit ungesteuert stattfinden (z.B. beim Spielen mit Freunden, beim Einkaufen, im Sportverein ...). Aufgabe der DaZ-Förderung ist somit die Synchronisation ungesteuerter und gesteuerter Lernprozesse, wobei es von besonderer Bedeutung ist, in den stark heterogenen Lerngruppen den individuellen Lernstand jedes einzelnen Schülers zu erfassen (sowie zu verfolgen) und bei der Förderung jeweils hier anzusetzen. Daraus ergeben sich besondere Konsequenzen für die Konzeption der DaZ-Förderung an unserer Schule.

Das DaZ-Konzept wird im Kern in den Jahrgangsstufen 5 - 7 durchgeführt. Es wird ergänzt durch eine Kooperation mit der AWO-EN-Kreis (Jugendmigrationsdienst). In Kleingruppen (5 - 7 Schülerinnen und Schüler) erfolgt im AG-Bereich eine zweistündige individuelle Förderung.

 

2. Förderung im 5. und 6. Jahrgang

2.1. Ziele der Förderung

Grundlegendes Ziel der DaZ-Förderung ist die Erweiterung der Sprachkompetenz im produktiven Bereich (Ausdrucksfähigkeit, Textproduktion) und im rezeptiven Bereich (Textverständnis und Hörverständnis) durch das Erlernen und Üben der hierfür notwendigen sprachlichen Mittel (Wortschatz, grammatische Strukturen).

Ferner sollen sprachliche Lerntechniken und -strategien vermittelt und eingeübt werden (sprachlich orientierte Methodenkompetenz).

Sicherlich besteht auch ein Ziel darin, das Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler hinsichtlich ihrer sprachlichen Fähigkeiten zu stärken.

2.2 Methodische Konzeption

Wie bereits erwähnt, sind unsere Fördergruppen sehr heterogen. Die Schülerinnen und Schüler unterscheiden sich anders als z.B. Englisch lernende deutsche Schüler nicht nur hinsichtlich ihrer individuellen Sprachbegabung und Arbeitshaltung, sondern auch hinsichtlich Muttersprache und bisher erworbener Sprachkompetenz Deutsch (abhängig davon, wie lange sie in Deutschland leben und Deutsch lernen, wie sie in der Grundschule z.B. in einem speziellen Förderunterricht gefördert werden konnten, in welchen Bezügen sie mit der deutschen Sprache sonst in Kontakt kommen usw.).

Dieses erfordert eine individuelle Förderung, die methodisch nicht durch einen ausschließlich gemeinsamen Unterricht, in dem alle unter Anleitung des Lehrers das Gleiche tun, erreicht werden kann, sondern nur durch eine auf selbstständiges Lernen ausgerichtete Konzeption. Das bedeutet nicht, dass nicht auch etwas gemeinsam erarbeitet werden kann, wenn dieses sinnvoll ist. Auch ist damit nicht ausgeschlossen, dass einzelne Schülerinnen und Schüler mit ähnlichen sprachlichen Problemen gemeinsam etwas bearbeiten oder z.B. mit Hilfe eines Lernspiels einüben.

Durch ein auf selbstständiges, individuelles Lernen ausgerichtetes Konzept wird eine Über- und Unterforderung einzelner Schülerinnen und Schüler verhindert.

2.3 Erfassung und Dokumentation des Lernstandes

Um die Schülerinnen und Schüler individuell fördern zu können, wird zu Beginn der 5. Klasse ein Sprachstandstest durchgeführt. Auf der Grundlage dieses Tests findet zum einen die Zuweisung zur DaZ-Fördergruppe statt, zum anderen gibt der Test Aufschluss über die derzeitige Sprachkompetenz des Schülers / der Schülerin und zeigt individuelle Stärken und Schwächen in den Bereichen Wortschatz, Grammatik, Ausdrucksfähigkeit sowie Textverständnis. Auf der Grundlage der Ergebnisse dieses Tests werden dann Förderpläne erstellt, die auch konkret angeben, an welchen sprachlichen Problemen die betreffenden Schülerinnen und Schüler mit welchen zur Verfügung stehenden Materialien arbeiten sollen und welche Hilfestellungen des Lehrers sie benötigen.

2.4 Inhalte / Curriculum (siehe Anlage)

Das Curriculum ist aufgeteilt in die Förderbereiche Lesen und Textverständnis, Schreiben, Grammatik und Wortschatz. Zukünftig soll noch der Bereich Hörverständnis hinzukommen.

2.5 Motivation und Lernatmosphäre

Es ist häufig festzustellen, dass ausländische Schülerinnen und Schüler sagen: „Ich bin in Deutsch einfach schlecht. Das war schon in der Grundschule so. Das ganze Üben hilft auch nichts.“ Es ist daher ganz wichtig, den Schülerinnen und Schülern schon zu Beginn der Klasse 5 deutlich zu machen, dass sie nicht „schlecht“ sind in Deutsch, sondern entsprechend ihren Lernbedingungen schon Erhebliches leisten. Sie haben einfach ganz andere Voraussetzungen, haben zuerst eine andere Sprache als Muttersprache gelernt, was bei den deutschen Kindern nicht so ist. Diese beherrschen die deutsche Sprache in den meisten Fällen daher besser und bekommen auch bessere Noten in Deutsch, sie sprechen dafür aber nur eine Sprache. Den ausländischen Kindern sollte erklärt werden, dass die Förderstunden helfen, sich sprachlich zu verbessern und irgendwann (Geduld!) auch im Fach Deutsch bessere Noten zu bekommen (Die Schüler machen ihr Können verständlicherweise sehr stark an Noten fest: „Ich hatte immer nur Vieren und Fünfen in Deutsch!“). Dafür ist es nötig, an ganz bestimmten Problemen z.B. im Bereich Grammatik zu arbeiten, die deutsche Kinder gar nicht haben, da sie ja direkt Deutsch und nicht zuerst eine andere Sprache gelernt haben. Deshalb gibt es die Förderstunden speziell für ausländische Kinder, wo der Lehrer ganz allein dafür da ist, ihnen bei ihren speziellen Problemen zu helfen.

Die Erfahrung zeigt, dass allein diese kurzen Ausführungen in einem Gespräch in der ersten Förderstunde mit den Schülerinnen und Schülern zu einer sehr positiven Lernatmosphäre führen. Nebenbei bemerkt ist es auch von Vorteil, dass der Förderlehrer keine Noten vergibt und die Kinder wissen, dass es zu keinem Zeitpunkt darum geht, zu schauen, was sie können, um sie zu bewerten, sondern immer nur darum, dass ihnen beim Lernen geholfen wird.

2.6 Materialien

Um die DaZ-Förderstunden in der oben beschriebenen Form gestalten zu können (selbstständiges Arbeiten, Freiarbeit), muss eine umfangreiche Materialsammlung erstellt und zusammengestellt werden. Hier kommt erschwerend hinzu, dass es nur wenig (bis kein) bereits in Büchern gesammeltes Material gibt, das den Bedürfnissen unserer Schüler hinsichtlich Sprachkompetenz und Altersstufe entspricht. Vieles ist für die Primarstufe bzw. für Erwachsene gedacht. Die Primarmaterialien richten sich zudem an Anfänger. Die meisten vorliegenden Lehrwerke sind außerdem weniger für zweitsprachliche als vielmehr für die fremdsprachliche Lernsituation konzipiert. Sie bauen die Sprachkompetenz in allen Bereichen systematisch auf (wie ein Englisch- oder Französisch-Lehrwerk) und berücksichtigen nicht, dass in deutschsprachiger Umgebung automatisch auch Lernprozesse außerhalb des Unterrichts stattfinden. Trotzdem können einige Lehrwerke Anregungen für die DaZ-Förderung geben. Sie können jedoch nicht systematisch eingesetzt werden.

Die Zusammenstellung und Erarbeitung sowie Bearbeitung von Material (z.B. Laminieren von Lernspielen) erfolgt sukzessive. Die im Förderbereich (DFA) eingesetzten Kolleginnen und Kollegen stellen bereits vorhandenes eigenes Material zur Verfügung. Geplant ist, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich mit der systematischen Aufbereitung des Materials befasst.

 

3. Integrierte Förderung im 7. Jahrgang

Im 7. Jahrgang erfolgt die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in enger Anbindung an den Deutsch-Fachunterricht. Je nach Bedarf werden die Schülerinnen und Schüler entweder aus dem Fachunterricht herausgezogen und parallel zum Deutschunterricht oder zu den Arbeitsstunden gefördert oder im Rahmen des Fachunterrichts unterstützt. Die Organisationsform innerhalb einer Lerngruppe ist von Woche zu Woche flexibel und richtet sich im konkreten Fall nach der Beschaffenheit des Lerngegenstandes und den Lernschwierigkeiten, die auftreten.

Bei einer Förderung parallel zum Deutschunterricht bekommen die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, etwas gerade im Unterricht Behandeltes, das für sie auf ihrem speziellen sprachlichen Hintergrund besonders schwierig ist, zu üben oder ggf. auch noch einmal erklärt zu bekommen. Ferner werden bei Bedarf auch die sprachlichen Voraussetzungen für Unterrichtsinhalte der nächsten Deutschstunde erarbeitet und geübt, wenn es sich um solche Kenntnisse oder Fertigkeiten handelt, über die insbesondere Schülerinnen und Schüler nicht oder nur unzureichend verfügen, die Deutsch als Zweitsprache erlernen.

Die Förderung innerhalb des Deutschunterrichts ist so angelegt, dass der Förderlehrer in der betreffenden Stunde mit anwesend und nach Absprache mit dem Fachlehrer für die zu fördernden Schülerinnen und Schüler zuständig ist, d.h. er gibt in diesen Stunden beispielsweise zusätzliche Hilfestellungen beim Erarbeiten eines Textes oder der Produktion von Texten.

Die beschriebene Konzeption erfordert eine enge Zusammenarbeit und gute Absprache zwischen dem Fachlehrer und dem Förderlehrer. Die Inhalte der Förderung richten sich nach den Vorgaben der Partitur für den 7. Jahrgang. So wird sichergestellt, dass auch Schülerinnen und Schüler mit Migrations-Hintergrund die in der Partitur im Rahmen einer bestimmten Unterrichtsreihe festgeschriebenen Kompetenzen erwerben können.

 

4. Förderung von Schülerinnen und Schülern ohne Deutschkenntnisse

Die Förderung von Schülerinnen und Schülern ohne Deutschkenntnisse erfolgt in Einzel- oder Kleingruppenunterricht. Grundlage ist das Lehrwerk "Schritt für Schritt" (Schroedel, Bände 1,2,3). Zusätzlich wird je nach Bedarf mit selbst erstellten Materialien gearbeitet.

Februar 2012, Brassat / Ruschkowski

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