Oberstufenschüler im Gespräch mit Saraswati Albano-Müller

Zu Besuch bei Frau Albano-MüllerBesondere Begegnungen hinterlassen Spuren im Leben der Menschen

Die in Schwelm lebende Inderin Saraswati Albano-Müller lud die 33 Schülerinnen und Schüler der beiden Englischleistungskurse der Qualifikationsphase 1 (Q1) der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule in ihr Haus ein und erzählte von besonderen Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen. Die Schüler erlebten eine ungewöhnliche Zeitreise, vom Indien der Kolonialzeit, in das Dritte Reich und in die heutige indische Gesellschaft.

Saraswati Albano-Müller ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und des Integrationspreises der Stadt Schwelm. An diesem Nachmittag berichtete sie über berühmte und interessante Menschen, die sie persönlich getroffen hat oder aus den Erzählungen und der Korrespondenz ihres Vaters, einem Mitarbeiter Mahatma Gandhis, kennenlernen durfte. Darunter zum Beispiel Sommerset Maugham, Albert Einstein oder Wilfrid Israel, der tausende jüdische Kinder vor dem Konzentrationslager rettete und bei einem Luftangriff getötet wurde. In ihrer anschaulichen Darstellung wurden große Persönlichkeiten der Weltgeschichte aus ungewöhnlicher Perspektive erfahrbar. Von Gandhi erzählte sie beispielsweise, dass er ein strenger, asketischer Lehrer gewesen sei, der seinen Anhängern Konsequenz abverlangte. So hätten alle Frauen ihren Goldschmuck abgeben müssen.

Albano-Müller berichtete auch von ihrem Vater, der die Poesie geliebt habe. So musste seine Tochter, die heute eine große Liebhaberin deutscher Lyrik ist, täglich Gedichte auswendig lernen. Daffodils, das bekannte Gedicht des englischen Dichters William Wordsworth, stellte sie an diesem Nachmittag in Schwelm vor. Und ganz nebenbei erfuhren die jungen Deutschen, dass die junge Inderin gar nicht wusste, wie Narzissen aussehen. Diese habe sie das erste Mal während ihrer Studienzeit in England gesehen.

Auch die von Männern dominierte indische Gesellschaft nahm Albano-Müller auf Nachfrage der interessierten Schülerinnen und Schüler kritisch in den Blick. Geschlechtsbedingte Abtreibungen und maßlose Mitgiftforderungen seien an der Tagesordnung. Dunkelhäutige Mädchen blieben unverheiratet. In Schwelm habe man zu ihr gesagt „Sie sind aber schön braun“, entgegnete sie lachend. In Indien sei braune Haut verpönt. Andere Länder, andere Sitten.

Was aber vereint Menschen unterschiedlicher Kulturen? Eine Antwort findet Albano-Müller überraschenderweise in der Religion, vielmehr in allen Weltreligionen, und bezieht sich dabei auf die von Hans Küng gegründete Stiftung Weltethos. Den faszinierten Schülerinnen und Schülern brachte sie die Gemeinsamkeiten der großen Weltanschauungen nahe. „Man sollte sich anderen gegenüber nicht in einer Weise benehmen, die für einen selbst unangenehm ist“, sei eine goldene Regel, die sich seit Jahrtausenden in vielen Religionen der Menschen finde und sich als Richtschnur für ein friedvolles Miteinander bewährt habe. Eine wichtige Botschaft für die multiethnische Schülergruppe.

Toleranz und Dialog sind das Anliegen der Inderin, die mühelos den Kontakt zu den jungen Leuten gefunden hat. Saraswati Albano-Müller habe ihnen wichtige Dinge für ihr weiteres Leben mitgegeben, so zum Beispiel,  dass man nicht vergessen solle zu teilen, dass jede Nation stolz sein dürfe, auch die deutsche, so zogen die aufmerksamen Gäste ein Fazit ihres Besuchs. Gestärkt durch köstliches indisches Essen und bereichert durch die Begegnung mit einer besonderen Frau traten die Schülerinnen und Schüler den Heimweg an.

Martina Westermann