Schüler früh stark machen, nein zu sagen

WZ
Samstag, 22. Juni 2002

Die Klassen 6 F, 7 C und 7 D wurden für ihre Nichtraucher-Aktion belohnt. Foto: Andreas Fischer

Schüler früh stark machen, nein zu sagen

Sechs Klassen der Gesamtschule
nahmen am internationalen Wettbewerb "Be smart - don't start" teil
und verpflichteten sich, nicht zu rauchen.

 

Von Günter Hiege

Sprockhövel. "Früher hat man im Biologieunterricht ein Raucherbein gezeigt, um Schüler vom Rauchen abzuschrecken, doch das hat nicht funktioniert." Ute Thiel, Beratungslehrerin für Suchtprophylaxe an der Gesamtschule des Ennepe-Ruhr-Kreises, verfolgt an ihrer Schule eine andere Philosophie. Die Kinder stark machen, um dem Gruppendruck zu widerstehen, wenn im Freundeskreis die erste Zigarette die Runde macht oder vielleicht sogar härtere Suchtmittel angeboten werden, lautet ihre Devise. Auf ihre Initiative hin nahmen sechs Klassen der Jahrgangsstufe 6 und 7 der Schule am europaweiten Wettbewerb "Be-smart-don't start" teil. Es ging um die freiwillige Selbstverpflichtung, ein halbes Jahr lang nicht zu rauchen. Für 12- bis 13-jährige Kinder wirklich eine Herausforderung, zumal Rauchen an der Schule für Schüler bis Klasse 10 generell verboten ist?

 

"Es gibt die Tendenz, dass die Kinder momentan immer früher anfangen zu rauchen, ich war zuvor an einer Hauptschule, da hat man schon im 5. Schuljahr Rauchentwöhnungskurse gemacht", erklärt Marion Frigge, Klassenlehrerin der 6 F, einer von drei Klassen, in denen alle die Rauchabstinenz durchhielten. Alle drei "Siegerklassen" erhielten vom Förderverein der Schule je 100 Euro "Belohnung". Die 7 C textete zudem einen Rap zum Thema und heimste damit einen Preis bei einem Festival in Gevelsberg ein, zu dem kreisweit Klassen eingeladen waren, die am Wettbewerb "Be smart - don't start" teilnahmen. "Nikotin macht gelbe Zähne, ist das schön damit geküsst zu werden?" fragten die Schüler in ihrem Rap.

Auch hier ist der Ansatz überzeugen statt verbieten und das so früh wie möglich. "Einen Zehntklässler vom Rauchen abzuhalten, ist schon sehr schwierig", begründet Beratungslehrerin Ute Thiel, warum sie mit ihrer Aufklärungsarbeit so früh ansetzt.

 

Den ersten Elternabend zum Thema Sucht hält sie neuerdings bereits Ende der 6. Klasse ab. Dabei werden aber nicht nur Zigaretten oder Drogen zum Thema gemacht, sondern etwa auch der Computer. Eine zweijährige Zusatzausbildung zur Beratungslehrerin hat Ute Thiel gerade abgeschlossen und entwickelt jetzt Aktionen. Beispiel: Neuntklässler geben in den unteren Klassen Unterricht zum Thema Gesundheitserziehung, zeigen in einem Experiment, wie viele Schadstoffe eine Zigarette enthält. Das Raucherbein im Bio-Unterricht hat lange ausgedient.