Das Theater Traumbaum am 19.05.11 zu Besuch in Haßlinghausen

Die zweiköpfige Theatergruppe "Traumbaum" aus Bochum war nicht zum ersten Mal zu Gast an der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule in Sprockhövel. In den vergangenen Jahren hatten sich sich bereits mit einem Theaterstück gegen rechte Gewalt und Schülerworkshops zu Gewalt und Mobbing in den höheren Jahrgängen an der Schule bekannt gemacht. Diesmal aber gab es zwei Aufführungen für die jüngeren Schülerinnen und Schüler aus dem 5. und 6. Jahrgang, zu denen sich noch eine Haßlinghauser Grundschulklasse gesellt hatte. Das Stück „Mobfer-f“ wurde nach Erfahrungen von Jugendlichen in Workshops entwickelt.

Auf der Bühne, die eine besprühte Wand zeigt, baut sich aus einzelnen Bruchstücken nach und nach eine Handlung zusammen:

Da ist der stolze Vater, der von den guten Schulnoten seines Sohnes Klaus berichtet und die gestresste Mutter, die Inventur im Fischgeschäft hat und gerade erfahren musste, dass die Tochter Lilly seit 2 Wochen nicht mehr zur Schule kommt. Da tauchen die beiden coolen Kapuzenträger mit Sonnenbrillen auf, die nichts sehen, nichts hören, nichts sagen, „nachher werden wir noch selbst die Opfer.“ Lehrer Förster will eigentlich nur seine Ruhe vor den Schülern: „Meine Klasse ist ein Haifischbecken“, und die Vertrauenslehrerin möchte helfen, aber es fehlt den Schülerinnen und Schülern scheinbar an Vertrauen.

Und schließlich sehen wir die 13-jährige Lilly, die angeblich nach Fisch stinkt, und Klaus, der  für die anderen einfach nur ein Streber und eine Schissbuchse ist, weil er sich nicht wehrt, wenn ihm Schuhe, Tasche und Handy „gezockt“ werden. Sie finden sich schließlich als Leidensgenossen auf dem Dach des Schulhauses wieder. Nach anfänglichen Versuchen, sich gegenseitig fertig zu machen, entwickeln sie Ideen, dass es nicht immer so bleiben muss wie jetzt. Sie motivieren sich gegenseitig, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Und dann, so erfahren wir von den anderen Personen im Stück, mischen sie richtig auf und trauen sich was ...

Bei der Nachbesprechung gab es von Seiten der Schülerinnen und Schüler viele Fragen, die gerne beantwortet wurden, z. B.: „Woher hattet ihr die Idee zu dem Stück?“ „Warum spielen nur zwei Leute auf der Bühne?“ „Wie schafft ihr es, euch so schnell umzuziehen?“

Neben den Fragen des Publikums an Birgit Iserloh und Ralf Lamprecht, die eindrucksvoll in viele verschiedene Rollen schlüpften, hatten die beiden auch Fragen an das Publikum, z. B.: „Warum mobbt der Mobber?“ – Da fanden die Schülerinnen und Schüler ganz schnell Antworten: „Weil der cool sein möchte!“ „Weil er Spaß daran hat, andere fertig zu machen!“ „Weil er Langeweile hat!“ …. „Aber das ist ja eigentlich alles andere als cool“, resümierten sie schließlich.

Birgit Iserloh, die Lilly aus dem Stück, wollte wissen: „Zu wem würdet Ihr gehen, wenn Mitschülerinnen und Mitschüler so gemein zu Euch sind?“ Einige meinten, dass sie zur Klassenlehrerin gehen würden, andere würden den Eltern davon berichten oder Hilfe bei älteren Geschwistern suchen. Ralf Lamprecht, im Stück u.a. der Junge Klaus stellt klar, dass es am keinen Fall „Petzen“ ist, wenn jemand, der bedroht wird sich Hilfe holt. „Mobben hat immer mit Ungerechtigkeit zu tun, der Gemobbte ist meistens allein und schwächer, die Mobber dagegen sind eine starke Gruppe.“ Am Ende stand auch der klare Appell an Kinder und Erwachsenen: nicht wegschauen, sondern hinschauen und eingreifen! „Sonst seid ihr auch wie die schweigende Masse mit Kapuze und Sonnenbrille!“

 

 Christine Niephaus, Sozialpädagogin (Fachkraft für Schulsozialarbeit)