Wilhelm-Kraft-Gesamtschule in Haßlinghausen: Das Ende der Kreidezeit

 Schulträger investiert 4500 Euro in ein Whiteboard. Das wirkt wie ein großer Bildschirm.
 

Haßlinghausen. Je nach Rechentalent und Gemütslage sorgt es unter Schülern für akute Nervosität oder gar für Tränenausbrüche, wenn der Lehrer Schüler an die Tafel ruft, damit diese dort die Mathematik-Aufgaben vorrechnen. Auf der anderen Seite bringt die Tafel mitunter auch Erheiterung in den Schulalltag – zum Beispiel wenn auf sie der Klassenklatsch („Anna + Ben = Liebe“) oder Lehrer-Karikaturen gekritzelt werden.

 

 Der Clou: Tafelbilder werden nicht wegwischt, sondern gespeichert

Allerdings könnte das bald der Vergangenheit angehören: Das sogenannte „Whiteboard“, eine interaktive Weißwandtafel, hängt seit Anfang des Schuljahres auch an den Wänden zweier Klassenräume in der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule in Haßlinghausen. Langsam könnte das auch das Ende der Kreidezeit in Sprockhövels Schulen markieren – und den Weg ins digitale Klassenzimmer weisen.

Der Schulträger der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule, der Kreis Ennepe-Ruhr, hat die Kosten für eine elektronische Tafel in Höhe von 4500 Euro übernommen. Das zweite Whiteboard hat die Schule aus dem eigenen Buget finanziert.

Sehr gute Erfahrungen habe sie bisher im Unterricht mit dem Whiteboard gemacht, sagt Bettina Garnerus im WZ-Gespräch. Die stellvertretende Schulleiterin lehrt die Fächer Mathematik und Informatik – und hat die innovative Technik selbst in den Unterricht integriert.

In puncto technische Möglichkeiten bietet die elektronischen Tafel viel: Mit dem Whiteboard, das an einen Computer und Beamer angeschlossen ist, können Powerpoint-Präsentationen, Landkarten, interaktive Grafiken, Fotos und Videos gezeigt werden – gleichzeitig kann man mit den Fingern auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm der Tafel schreiben. Auch das Surfen im Internet ist möglich.

„Die Effektivität ist größer, wenn Tafelbilder gespeichert und am nächsten Tag wieder aufgerufen werden können,“

 

Bettina Garnerus, stellvertretende Schulleiterin

Der Clou: Während ein Tafelbild an einer herkömmlichen Tafel durch Wegwischen einfach verloren ging, ist es nun digital speicherbar und kann in späteren Unterrichtsstunden wieder aufgerufen oder als Datei per Internet verschickt werden. Insofern ersetzt das Whiteboard eher den antiquierten Oberlichtprojektor als die Kreidetafel. „Die Effektivität ist größer, wenn Tafelbilder gespeichert und am nächsten Tag wieder aufgerufen werden können“, sagt Garnerus.

Die 25 Schüler des Leistungskurses Mathematik der Jahrgangsstufe 12, die die neue Multimedia-Tafel benutzen, sind jedenfalls von der neuen Technik begeistert. „Kurvendiskussion“ ist zurzeit Thema. Welcher Graph sich hinter einer gewissen Funktion versteckt, projiziert das Whiteboard dank passendem Computerprogramm an die Wand. „Praktisch“, urteilt Max Korioth, und Daniel Ponten (beide 18) meint: „So kann ich schwierige Rechenwege beim Lernen besser nachvollziehen.“

Vom technischen Fortschritt profitieren auch die Schüler einer fünften Klasse, der sogenannten „Computerklasse“, denen allen ein Laptop zur Verfügung steht – so gehört natürlich auch das Whiteboard zu ihrem Schulalltag wie das Butterbrot zur Pause.

Eine „Whiteboard“-Offensive gibt es aber (vorerst) nicht, über die Anschaffung entscheide allein der Schulträger, sagt Joachim Niewel, Schulrat des Ennepe-Ruhr-Kreises, der auch für die Weiterbildung von Lehrern in Sachen Neue Medien zuständig ist. Immerhin kostest eine elektronische Tafel inklusive Montage rund 4500 Euro.

Zum Vergleich: Eine herkömmliche Schultafel kostet inklusive Montage etwa 700 Euro. Allein die Gesamtschule in Haßlinghausen benötige etwa 60 Whiteboards, um sämtliche Kreidetafeln auszutauschen, schätzt Garnerus.

Noch hat die herkömmliche Tafel in Sprockhövel also nicht ausgedient. Auch in den Räumen der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule stehen noch die Kreide-Exemplare: die grau-grüne Tafel, die schon für Generationen von Schülern zum Alltag gehörte.

 

von Annkathrin Frind

Quelle: WZ-newsline, 28.09.2010