Die Liebenden in der Untergrundbahn - ein voller Erfolg!

Fahrscheinkontrolle beim Einlass; Lautsprecherdurchsagen, die auf die Gefahren des Schwarzfahrens hinweisen; schon vor Beginn der eigentlichen Vorstellung um 20 Uhr bewegen sich - wie eben fortlaufend in einem U-Bahn-Bahnhof - Personen einzeln oder in Gruppen auf der Bühne - oder besser: auf dem Bahnsteig zwischen den Gleisen (dort, wo die Zuschauer sitzen) und der Wand des U-Bahn-Bahnhofs mit dem Fahrplan.

Bei der Aufführung am Freitagabend (und wohl ähnlich bei der Premiere am Donnerstag) wurde das Publikum vom ersten Moment an in den Bann des Stückes gezogen und quittierte die hervorragende Leistung aller Darstellerinnen und Darsteller am Ende mit stehendem, lang anhaltendem Applaus.

Das typisch "absurde" Theaterstück "Die Liebenden in der Untergrundbahn" von Jean Tardieu stellt zahlreiche zunächst unverbunden wirkende Szenen und Aussagen nebeneinander. Durch das Zusammenspiel der verschiedenen Elemente ergibt sich jedoch ein Bild, das ja durchaus passend ist zum Geschehen in einer U-Bahn und vielfach in anderen Zusammenhängen in unserer modernen Welt. - Und die so vom Zuschauer gedanklich zu füllenden Lücken machen einen attraktiven Reiz dieses Stückes aus.

Die jugendlichen Schauspielerinnen und Schauspieler haben sich alle sehr souverän und textsicher gezeigt: Faszinierend! - Ein besonderes Lob gilt dabei den beiden "Liebenden", die in Gestik und Mimik genau so überzeugten wie mit ihrem sicherlich nicht einfachen und umfangreichen Text; aber auch alle "kleineren" Rollen waren erstklassig gespielt. Als Zuschauer konnte man vergessen, dass es sich um Laiendarsteller handelt: Noch einmal ein Bravo an alle! Natürlich auch an Christine Niephaus und Daniel Wiese für die Regie dieser gelungenen, hervorragenden Produktion! 

Karl Kirst